Performancelaboratorium 03

Wathiq Al Ameri, Ali Al Fatlawi, Stefan Blumenschein, Enric Fort, Freundinnen der Kunst, Stefanie Polek, Renée Stieger, Tiina Sööt


When? 06.05.2011 19:30
Where? bb15


Performancelaboratorium findet zum dritten Mal statt. Thema der Veranstaltungsreihe ist das Experimentieren mit performativen Elementen. Gezeigt werden unterschiedliche Herangehensweisen zu Live-Performance und Positionen performativer Videoarbeit.

Mag.a Daniela Wageneder Stelzhammer, MA

kuratiert und organisiert von Amel Andessner, Sibylle Ettengruber, Elisa Andessner

Foto

Video
http://dorftv.at/videos/open-space/1332

 

 

Stefan Blumenschein: Hyperbulie. 

Stefan Blumenschein bezieht sich mit Titel und Performance auf die Videoperformance von VALIE EXPORT aus dem Jahr 1973. Im Hauptraum des bb15’s stehen ein fragiler Drahtkäfig, eine Autobatterie und eine Krone. Blumenschein ist nackt, als er den Raum betritt. Er schließt über zwei Drähte den Käfig an die Batterie und begibt sich in den Käfig. Vorsichtig berührt er immer wieder die Drähte mit Wange, Lippe und Schulter. Zum Abschluss setzt Blumenschein sich die Krone auf und verabschiedet sich mit den Worten: „Auch der König muss sich seiner Krone würdig erweisen.“ Der Käfig bleibt. Einige der Besucher_innen berühren die Drähte und stellen fest, dass diese nicht unter Strom stehen.

 

Renée Stieger: Simultanarchiv

Renée Stieger erscheint in elegantem Buisness Kostüm und Pumps zu ihrer Performance. Im Raum befinden sich ein Tisch, eine Lampe, ein Buch, ein Glas mit Wasser und ein Stuhl. Sie setzte sich und blättert zur ersten leeren Seite des Buches. Dann beginnt sie laut mitsprechend zu protokollieren. Stieger hält penibel alle Reaktionen und Geräusche ihres Publikums fest und betreibt damit ein perfides Spiel mit Macht und Kontrolle. Sie schließt nach etwa einer halben Stunde ihr Buch mit den Worten: „Vielmehr wird nicht mehr passieren. Danke!“ und verlässt die Szene. 

 

Enric Fort: Eggs and Hugs

Auf dem Boden des bb15’s ist ein weißes Tuch aufgebreitet. Darauf liegen ca. 130 Hühnereier. Enric Fort tritt weiß gekleidet und mit zwei langen Leukoplast Streifen an den Unterarmen vor sein Publikum. Er hebt eines der Eier auf und lässt es im Publikum herumreichen. Währenddessen beginnt er Ei für Ei sehr vorsichtig von oben in sein Unterhemd zu legen. Als er nach mehreren Minuten alle Eier vom Boden am Körper trägt, fordert er das letzte Ei. Nun beginnt er sich die Leukoplaststreifen ab zu ziehen. Auf seinen Unterarmen ist in großen Lettern „HUG“ und „ME“ zu lesen. Einige aus dem Publikum folgen seiner Aufforderung und umarmen ihn. Enric Fort  bedankt sich und verlässt den Raum.

 

Stefanie Polek: Lecture Act/Timemanagment

Stefanie Polek kommt in den Hauptraum des bb15’s. In diesem befinden sich eine auf dem Boden ausgebreitete Decke, ein Tisch, darauf eine Tasse mit einem Teebeutel, ein Apfel und ein Stück Gebäck, ein Stuhl und ein Wasserkocher. Polek beginnt sich hastig ihre Alltagskleidung aus und einen Pyjama anzuziehen, legt sich auf die Decke am Boden, wie in ein Bett und stellt den Wecker ihres Mobiltelefons. Sie schläft. Nach acht Minuten klingelt der Wecker und ein hektischer Tagesablauf beginnt. Lecture Act /Timemanagment ist ein Versuch, der die 24 Std. eines Tages auf 24 Min. komprimiert. Dabei spielt Polek mit der selbst auferlegten, permanenten Überforderung und der Möglichkeit daran zu scheitern. 

 

Tiina Sööt und Dario Wokurka: 10 different jumps

Tiina Sööt und Dario Wokurka tragen eine Bank in den Raum. Sie schütteln sich die Hände und stellen sich gemeinsam auf die Bank. Dario sagt: Jump number one: Improvise-with-arms-jump; Beide springen von der Bank. Tiina sagt: Jump number two: Slowmotion-jump; Beide springen von der Bank. Auf diese Weise absolvieren sie zehn Sprünge. Die Anordnung ist zu gleich strikt wie spielerisch und lässt ihnen keine Zeit um zu zögern. 10 different jumps demonstriert den Interpretationsspielraum ein und derselben Idee, und bildet den Gap zwischen der Person, die den Sprung ansagt und der anderen Person, die diesen spontan mit auszuführen hat, mit ab.

 

Wathiq Al Ameri und Ali Al Fatlawi: o.T.

Wathiq Al Ameri und Ali Al Fatlawi nutzen bei ihrer Performance im Hauptraum des bb15’s die weiße Fläche auf der ansonsten schwarzen Wand der rechten Seite als Art Leinwand, vor der sie Bilder produzieren. Sie arbeiten dabei mit kurz davor erstandenen Materialien, wie Plastikfische, einen Spielzeugglobus, rote Rosen, weißer und schwarzer Farbe, weiße Murmeln und einen weißen Sockel. Raum, Material und Zeit sind wesentliche Elemente ihrer Arbeit. Ihr Interesse gilt dem Versuch, sowie dem gemeinsam Agieren und Reagieren. Ohne die Details ihrer Performance im Vorfeld genau ausgearbeitet zu haben, lassen sie Spielraum für sich und Publikum.

 

Freundinnen der Kunst: himmeln (Video)  

Im Video himmeln (Teil 2 der Trilogie Sehnsucht) springen die Freundinnen der Kunst in Brautkleidern auf einem Trampolin. Dabei gibt es einen von der Kamera festgelegten Bildausschnitt, in welchem möglichst alle vier zur gleichen Zeit erscheinen sollten. Himmeln zeigt sie nicht nur beim Versuch exakt in diesen Rahmen zu springen, sondern ist auch Beleg für das wiederholte Scheitern dieses Vorhabens.

 

Link
http://performancelaboratorium.wordpress.com/ 

 

 

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